Call of Cthulhu - The Video Game
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So scheint es wenig verwunderlich, dass auch Horrorgeschichten in den Fokus der Popkultur rücken und sich in den letzten Jahren der Cthulhu-Mythos, welcher auf den Schriftsteller H. P. Lovecraft zurückzuführen ist, als Ursprung etlicher Verfilmungen, Video- und Brettspielen etabliert hat. Zu Lebzeiten von H. P. Lovecraft wäre eine solche Popularität noch undenkbar gewesen, Lovecrafts Horror- und Gruselgeschichten hatten mit viel Kritik zu kämpfen und erfreuten sich auch nicht gerade großer Bekanntheit. Nur „Schatten über Innsmouth“ erschien 1936 als Buch, seine weiteren Texte fanden lediglich Platz in kleineren Pulp-Magazinen.
Nun, ca. 80 Jahre nach dem Tod von Howard Phillips Lovecraft, zählen seine Werke zu den Kultklassikern der Horrorliteratur, welche ein Universum voller Schrecken, Ängsten und Wahnsinn zurückgelassen haben. Das Pen&Paper Abenteuer Call of Cthulhu - The Video Game“ ist seit den 80ern fester Bestandteil des Pen&Paper-Kanon und erfreut sich bisweilen sieben neuen Editionen. Eine Videospieladaption der Geschichten des „Erfinders des phantastischen Horrors“ dürfte somit für wenig Überraschung sorgen, auch wenn die Entstehungsgeschichte von dem von Cyanide Studio entwickelten „Call of Cthulhu“ alles andere als reibungslos verlief. Etliche Verschiebungen des Release-Datums sorgten in der Fangemeinde für Aufruhr, Grund dafür dürfte der Entwicklerwechsel gewesen sein, denn ursprünglich arbeiteten Frogwares (Sherlock Holmes – Crimes and Punishment) an dem Horror-RPG, gaben ihre Arbeit jedoch an Cyanide Studio ab. Veröffentlich wird das Spiel unter Aufsicht von Focus Home Interactive (Sherlock Holmes, Trackmania, etc.). Am 30. Oktober 2018, also pünktlich zu Halloween, war es dann aber endlich soweit und „Call of Cthulhu“ erschien für PS4, xBox One und den PC.
Hat sich die lange Wartezeit gelohnt und schafft es „Call of Cthulhu“ die Faszination seines literarischen Ursprungs umzusetzen? Der folgende Test versucht Licht ins Düstere zu bringen!
Mehr Lovecraft geht nicht
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Angekommen in Darkwater Island beginnt auch schon der Lovecraft-typische Horrortrip – unfreundliche Inselbewohner, heruntergekommene Spielunken und Andeutungen okkulter Rituale. Und dann wäre da noch das Anwesen der Familie Hawkins, ein beeindruckendes Gebäude, hoch auf einem Berg, umgeben von dichtem Nebel und fernab jeglicher Zivilisation. Verschachtelte Tunnelsysteme und fragwürdige Irrenanstalten runden das Gesamtpaket ab und schaffen eine dichte Atmosphäre, voller Abgründe und Unklarheit. Doch nicht nur Darkwater Island selbst sorgt für das erhoffte Lovecraft-Feeling, auch die Hauptfigur Edward Pierce trägt seinen Teil dazu bei. Die psychische Labilität führt zu Wahnvorstellungen und klaustrophobischen Zuständen und lässt den eigentlich so rational denkenden Ermittler an seinem eigenen Verstand zweifeln – der Wahnsinn ist omnipräsent.
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Beinahe jede Figur hat etwas zu erzählen und eröffnet eigene Bezüge zum Vorfall. Vor allem hinsichtlich der Atmosphäre schmücken die Details die einzelnen Ortschaften eindrucksvoll aus. Ein Detailüberfluss darf hierbei jedoch nicht erwartet werden, vielmehr werden die vorhanden Dialoge und Objekte sinnvoll und natürlich in den Spielfluss integriert. So kann man beispielsweise die einzelnen Räume der Villa der Familie Hawkins sporadisch durchforsten und nur bei eindeutigen Hinweisen zum Vorfall selbst Nachforschungen anstellen, stattdessen können aber auch Bücher, Unterlagen oder Gemälde untersucht werden, die zwar weniger zum Fortschreiten der Handlung beitragen, dafür aber spannende Hinweise oder Geschichten beinhalten, die dem Gesamtüberblick extrem gut tun. Auch, wenn das für ein narratives Rollenspiel grundsätzlich keine Neuerfindung darstellt – Call of Cthulhu geht mit diesem Aspekt sinnvoll und behutsam um.
Die angesprochenen Dialogszenen finden interaktiv statt und können, je nach Frage- und Antwortauswahl, Einfluss auf den weiteren Spielverlauf nehmen. Keinesfalls jedoch in der Drastik eines Heavy Rain oder Until Dawn, kleinere Änderungen nach entsprechendem Gesprächsverlauf werden aber trotzdem spürbar. Trotz allem bleibt der grundsätzliche Verlauf der Geschichte aber gleich, was dem Spiel auch mehr hilft, als dass es ihm schadet. Bei vier verschiedenen Enden bleibt immer noch genug Freiraum, für Spekulationen und „was wäre wenn“-Gedankenspielen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des narrativen Rollenspiels oder interaktiven Films, wirbt Call of Cthulhu auch weniger mit diesen möglichen Einflüssen auf den Handlungsverlauf, vielmehr steht die Hauptfigur und somit der Spieler selbst im Mittelpunkt. Denn hier kommt der Aspekt des Wahnsinns erneut ins Spiel, jedoch nicht nur narrativ, sondern auch deutlich spürbarer auf spielerischer Ebene.
Achte auf deinen Skillbaum!
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Welche Art von dämonischem Ritual abgehalten wurde oder wie alt eine gefundene Tierleiche ist, kann Rückschlüsse des Spielers auf den vorhandenen Sachverhalt maßgeblich beeinträchtigen und ihn gegebenenfalls auf eine falsche Fährte locken. Weitere Fähigkeiten, die sich auf das Erkunden oder Gespräche beziehen wie beispielsweise Redegewandtheit oder Psychologie, können ebenfalls zu eindeutigen Hinweisen als auch zu widersprüchlichen Zusammenhängen führen. Eine gute Redegewandtheit kann neue Dialogmöglichkeiten und somit die Möglichkeit an neue Informationen zu gelangen freischalten. Ist diese Fähigkeit jedoch wenig bis gar nicht geskillt, können Fehlinformationen zu Fehlschlüssen führen und somit dem Spieler abermals im Unwissenden lassen. All diese kleineren Konsequenzen leiten zu einem Zustand der permanenten Unsicherheit, ob das, was gerade gesagt wird oder zu sehen ist auch wirklich der (Spiel-)Realität entspricht. Und was passt bei einer Lovecraft-Adaption besser, als das Zweifeln am eigenen Verstand?
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Auch der Spielanspruch fällt eher gering aus, was der spielerischen Immersion zugutekommt, denn somit zieht sich die Geschichte nicht unnötig in die Länge und behält ihre Spannung bis zum Schluss bei. Call of Cthulhu lebt von seiner toll erzählten und durchdachten Geschichte. Sofern man sich auf diese einlässt, dürften die fehlende tiefgehende Spielmechanik und der geringe Spielanspruch nur wenig ins Gewicht fallen.
Grafik flop, Atmoshpäre top?!
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Dichter Nebel und der dezente Einsatz einzelner Lichtquellen geben dem Lovecraft-Wahnsinn eine passende Form, selbst in skurrilen Traumsequenzen stimmt der Grundtenor der Darstellung. Wie bereits angesprochen, liegen die grafischen Problematiken im Detail, die mal mehr, mal weniger stark zum Vorschein kommen. Vor allem in den Dialogsequenzen sollte der Fokus mehr auf die audio- als auf die visuelle Ebene gelegt werden, zumal sich viele Nebencharaktere enorm ähneln und sich meist nur mit einer anderen Frisur oder anderer Kleidung voneinander unterscheiden lassen. Natürlich hätte eine ausgereiftere und detailliertere Grafik dem Gesamteindruck gutgetan und die Atmosphäre positiv beeinflusst, das lässt sich nicht abstreiten. Trotz allem stört der Grafikrückstand recht wenig, da die Geschichte und deren Entwicklung den Reiz von Call of Cthulhu ausmachen. Fans der Erzählungen von H. P. Lovecraft werden ihre eindrucksvollen Momente erleben und mit Sicherheit über die ein oder andere visuelle Enttäuschung hinwegsehen.
Erfahre hier, wie der Titel in unserer Wertung abgeschlossen hat.
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Erstellt von Rufus
Zuletzt online: 3 Jahre 10 Monate
Kategorie:
Test
Veröffentlicht
Aktualisiert
17. 12. 2018 um 22:30
17. 12. 2018 um 22:30
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